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Bei der Arbeit kannst du nicht sitzen bleiben, wenn jemand etwas sucht oder bei einem Problem am Computer nicht weiterkommt? Du bist sofort zur Stelle und hilfst.

Dein Vorgesetzter hat ein neues Ziel und weiß nicht, wie er es erreichen soll? Du fühlst dich angesprochen, suchst sofort nach Lösungen?

Ein Kunde möchte dein umfassendes Know-how, aber der Auftrag umfasst einen winzigen Ausschnitt deines Auftrags, den du mit ihm vereinbart hast? Du versuchst alles, um ihm zu helfen?

Kennst du das?

Das Ganze passiert völlig automatisch. Du merkst erst später, dass du völlig erschöpft bist und erkennst, dass da irgendetwas nicht richtig läuft. Während andere entspannt durch Ihren Arbeitsalltag schlendern, bist du völlig ausgelaugt. Zu allem Überfluss stellt sich manchmal noch das Gefühl ein, mit der eigenen Arbeit nicht fertig zu werden. Oft bleibt auch noch die Anerkennung aus.

Was läuft hier falsch? Ist es denn verkehrt, anderen zu helfen?

Dieses Problem kennen nicht nur Menschen aus helfenden Berufen. Es ist auch keine Frage des Berufes, sondern eine Frage der Persönlichkeit. In diesem Zusammenhang ist vielen der Begriff des Helfersyndroms bekannt (vgl. Wolfgang Schmidbauer: Die hilflosen Helfer). Folgen dieser unbewussten Haltung sind nicht selten Depression und Burnout.

Ich möchte euch hier eine Möglichkeit aufzeigen, wie ihr euch selbst coachen könnt und damit zu einer bewussteren Haltung kommt.

Achtsamkeit

Zuerst einmal ist es wichtig, sich der automatisch ablaufenden Prozesse bewusst zu werden. So kannst du jeden Abend nachspüren. Das ist eine Übung, welche mit zunehmender Häufigkeit gelingen wird.

Doch dann stellt sich die Frage, was jetzt? Nun ändert sich eine bestimmte Verhaltensweise nicht über Nacht – nur weil du ihr auf die Schliche gekommen bist.

Fragen stellen

Eine hilfreiche Methode ist die Selbstbefragung. Mit Hilfe weniger Fragen kannst du dich selbst überprüfen. So holst du die automatisch ablaufenden Verhaltensweisen auf eine bewusste Entscheidungsebene. Und je öfter du das tust und in deinen Alltag integrierst, desto eher wird es zur Gewohnheit.

Fragen:

  1. Wurde ich gefragt bzw. gebeten, etwas zu tun?
  2. Habe ich tatsächlich einen Auftrag?
  3. Habe ich überhaupt Zeit dafür?
  4. Möchte ich das tun?
  5. Werde ich dafür angemessen entlohnt?

Nun kannst du dich entscheiden:

Möchte ich in dieser Situation etwas von mir geben oder nicht? Oder mache ich eventuell dem Hilfesuchenden ein (neues) Angebot?

Jetzt besteht die Möglichkeit, dass du dich bewusst entscheidest zu helfen oder eben nicht, mit deinen Kräften sorgsamer umgehst und zufriedener wirst. Es ist keine Frage des Ja- oder Nein-Sagen-Könnens, beides kann beglückend sein. Wichtig ist, sich bewusst zu entscheiden.

Das hat auch den Vorteil, dass du z.B. deine Fähigkeit, Probleme gut lösen zu können bzw. dein Wissen für andere nutzbringend einzusetzen, ins rechte Licht rückst und entsprechend honorieren lassen kann. So etwas nennt man dann eine Win-Win-Situation ;-).

Reflexion

Um deine nun bewusst getroffenen Entscheidungen, anderen zu helfen im Nachhinein zu überprüfen, kannst du nach getaner Arbeit nachfühlen, ob es sich für dich ausgeglichen anfühlt und dich fragen:

Fühle ich mich erschöpft und ausgelaugt? Oder ist es eher eine redliche, zufriedenstellende Erschöpfung? Bist du vielleicht kraftvoller?